Doktorandenstipendien des Collegium Bohemicum zum Thema Geschichte der Deutschen in den tschechischen Ländern
Das Collegium Bohemicum bietet in Zusammenarbeit mit der J.-E.-Purkyně-Universität und dem Stadtmuseum Ústí nad Labem halbjährige Stipendien für Doktoranden zum Abschluss von Dissertationen an zu Themen, die mit der Geschichte der Deutschen in den böhmischen Ländern in Zusammenhang stehen. Das Stipendium setzt den Aufenthalt in Ústí nad Labem/Aussig und die Teilnahme an Aktivitäten des Collegium voraus.
Volker Mohn MA
(Förderungszeit Januar – Juni 2009)
Studierte moderne und osteuropäische Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Zwischen 2003 und 2005 arbeitete am Lehrstuhl für Kultur und Geschichte der Deutschen in Osteuropa bei Prof. Brandes. Im Rahmen eines DAAD-Projekts war er zwei Semester an der Karlsuniversität in Prag, an der er Seminare über Geschichte des deutschen Spielfilms angeboten hat. 2005 absolvierte er ein Praktikum an der türkischen Çukur-University in Adana.
Die Themen seiner Doktorarbeit sind die nationalsozialistische Kulturpolitik in Böhmen und Mähren und tschechische Intellektuelle in der Protektoratszeit. In seiner Arbeit möchte er alle Bereiche des Kulturlebens im Protektorat einbeziehen, die von der nationalsozialistischen Propaganda beherrscht wurden.
In einem besonderen Teil setzt er sich mit damaligen Ausstellungen auseinander, die als Mittel nationalsozialistischer Propaganda gelten. Seine Arbeit ist eine klassische historische Forschung und tiefe Analyse der Möglichkeiten von nationalsozialistischen Kulturpolitik in der Protektoratszeit. Seine Quellen sind nicht nur deutsche und tschechische Archivbefunde, sondern auch die zeitgenössische Literatur, Film und Fotografien.
Rahel Rosa Neubauer
(Förderungszeit September 2008 – Februar 2009)
Studierte Literatur und Orientalistik an den Universitäten in Bonn, Istanbul und Wien. Sie ist Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung (ÖGKJLF). Der Schwerpunkt ihrer Forschung sind jüdische Märchen von Autorinnen aus der Zwischenkriegszeit. Sie arbeitet regelmäßig mit dem Institut für Wissenschaft und Kunst in Wien zusammen, an dem sie auch Vorträge hält. Im Zusammenhang mit dem CB-Stipendium arbeitet sie mit dem Deutschen Lehrstuhl an der UJEP zusammen, an der sie auch über die deutsch-jüdische Literatur vorträgt.
Ihre Doktorarbeit ist der Schriftstellerin Irma Miriam Singer, der Autorin jüdischer Märchen gewidmet. Diese bewegte sich in den Kulturkreisen der jüdischen Deutschen aus Prag und zeigte Sie, die in die literarische Welt von Max Brod eingeführt wurde. R. Neubauer sucht mittels der Analyse der Werke Singers die Zusammenhänge zwischen traditionellen jüdischen Märchen und der Umgebung, in der Irma lebte. Diese Vorgehensweisen sollen dann zu einer Bibliographie führen über die bis jetzt weithin unbekannte jüdische Schriftstellerin.
PhDr. Petr Koura
(Förderungszeit September 2008 – März 2009)
In seiner Disseration zum Thema "Swing-Jugend und die Okkupationsmacht im Protektorat Böhmen und Mähren" analysiert er ein vergessenes Phänomen, das sich während des nationalsozialistischen Regimen etablierte, und zwar die Swingmusik. Die Arbeit entsteht im Rahmen des Stipendiums des Collegium Bohemicum.
Anhand zahlreicher Archivdokumente, die aus der Zeit des Nationalsozialismus überliefert sind, sowie aus Gesprächen mit Zeitzeugen und Musik- und Filmquellen beschreibt er, welchen Widerhall diese Musikrichtung bei den Protektorats-Jugendlichen gefunden hat. Zugleich werden politische Zusammenhänge und die Verfolgung durch das nationalsozialistische Regime geschildert. Außerdem versucht er die Situation mit der in anderen europäischen Ländern zu vergleichen, in denen die Nationalsozialisten auch an der Macht waren.
Angebot für Stipendienaufenthalte
Das Collegium Bohemicum fördert wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Forschung über die Geschichte der deutschsprachigen Einwohner in den böhmischen Ländern. Unser Hauptinteresse gilt vor allem Projekten, die sich mit dem Zeitraum seit Ende des 18. Jahrhunderts beschäftigen und in denen moderne Ansätze zur Bearbeitung der Thematik von Identitäten im mitteleuropäischen Kontext angewandt werden.