Česky Deutch

In Ústí nad Labem entsteht das erste Museum der Geschichte und Kultur der Deutschen in den böhmischen Ländern

In Ústí nad Labem entsteht das erste Museum der Geschichte und Kultur der Deutschen in den böhmischen Ländern

Die Forschungs-, Kultur- und Bildungseinrichtung Collegium Bohemicum bereitet eine Dauerausstellung der Geschichte und Kultur der deutschsprachigen Bevölkerung in den böhmischen Ländern vor. Die erste Dauerausstellung zu diesem Thema in der Tschechischen Republik wird unter dem Dach des Stadtmuseums Ústí nad Labem beheimatet sein und eine Ausstellungsfläche von 1 500 m2 umfassen. Es handelt sich hierbei um eines der umfangreichsten und teuersten tschechischen Museumsprojekte.

Bereits seit zwei Jahren arbeiten tschechische und internationale, akademische und praktische Experten unter der Leitung des Collegium Bohemicum an der Entstehung der überregional ausgerichteten Dauerausstellung mit sowohl nationaler, als auch internationaler Bedeutung. Die 1 500 m2 umfassende Ausstellung wird sich im Gebäude des Stadtmuseums Ústí nad Labem, das zu diesem Zweck aufwendig rekonstruiert wurde, über zwei Etagen erstrecken. Der Besucher hat dort die Möglichkeit, die Geschichte in Form einer Zeitreise vom 13. Jahrhundert (der Zeit der Besiedlung) bis in Gegenwart zu durchschreiten.

„Die deutschsprachige Bevölkerung hinterließ ihre Spuren in den böhmischen Ländern in allen Lebensbereichen. Viele Fachleute sind der Meinung, dass es an der Zeit ist, diesen Bereich der Geschichte aufzuarbeiten. Unser Museum soll das Interesse an diesem Thema seitens einer breiten Öffentlichkeit unterstützen und damit Vorurteile und in der tschechischen, deutschen und österreichischen Gesellschaft verankerte Fehlinterpretationen überwinden helfen – und zwar auf eine sachliche und ausgewogene Art und Weise“, so Mgr. Blanka Mouralová, Direktorin des Collegium Bohemicum, über die Idee hinter der Dauerausstellung.

Die Besucher begeben sich auf die Spuren jener Bewohner der böhmischen Länder, die sich in ihrer Kommunikation der deutschen Sprache bedienten. Dabei treffen sie auf „Unsere Deutschen“ in ihrer Eigenschaft als Bergleute und Bauern, Vertreter der Kirche und der höfischen Gesellschaft, als Künstler, Politiker, Bürgerinnen und Bürger. Insbesondere soll die Konzeption den tschechischen Besuchern ermöglichen, die vielen einzelnen, und oftmals in Vergessenheit geratenen Geschichten des Landes in einem Gesamtzusammenhang neu zu vergegenwärtigen. Die deutschsprachigen Besucher wiederum können die kulturelle Vielfalt einer vergangenen Zeit neu erleben. Die Ausstellung thematisiert in diesem Zusammenhang einerseits die verpassten Chancen und tragischen Ereignisse der Vergangenheit und ermöglicht in Form von Forschung, Präsentation und einer kritischen Betrachtung und Bewertung des Beitrags der deutschsprachigen Bevölkerung zur gemeinsamen Geschichte andererseits einen Blick nach vorn im europäischen Kontext.

Den Schwerpunkt der attraktiv gestalteten Ausstellung werden Originalstücke
und ihre Geschichten bilden, die mit Hilfe moderner Ausstellungstechnik präsentiert werden.
Auch der Fachwelt soll die Ausstellung in Teilen neue Zusammenhänge eröffnen; so entstehen begleitend zur Ausstellungskonzeption auch Fachstudien. Nach der Eröffnung soll die Dauerausstellung als Impulsgeber für die Veranstaltung von Fachkonferenzen dienen und Forschungsinitiativen unterstützen.

Vor allem sollen mit der Ausstellung jedoch die breite Öffentlichkeit sowie Schüler und Studenten angesprochen werden. Schon jetzt arbeitet das Collegium Bohemicum im Rahmen seiner Bildungsprojekte mit Mittelschulen und Gymnasien zusammen, ferner soll nach der Eröffnung der Ausstellung die Möglichkeit bestehen, die Unterrichtsstunden direkt im Ausstellungsraum durchzuführen.

Des Weiteren lohnt ein Blick auf die Form der Entstehung der Exposition. Im Unterschied zum individuellen Autorenauftrag, nach dem ein Museumsprojekt realisiert wird, arbeitet an der Konzeption dieser Dauerausstellung von Anfang an eine sich aus Historikern, Kunsthistorikern und Museumsfachleuten zusammensetzende Arbeitsgruppe, die offen und sachlich die Grundausrichtung der Ausstellung und deren musealische Bearbeitung diskutiert. Die Autoren der Exposition arbeiten parallel nicht nur daran, Exponate für die Ausstellung zu gewinnen und deren Umsetzung voranzutreiben, sondern versuchen auch, Anreize zu geben, wie die Geschichte der deutschsprachigen Bevölkerung in den böhmischen Ländern aus heutiger Perspektive interpretiert werden kann. Die Konzeption einer Ausstellung zu diesem Thema ist ein Novum, weshalb die Autoren des Projekts nicht auf bereits bestehende Sammlungen zurückgreifen können, sondern im Verlauf der Arbeit den Bestand des zukünftigen Museums neu zusammenstellen.

Die Exposition wird seitens des Collegium Bohemicum unter der Mitarbeit des Museums der Stadt Ústí nad Labem sowie der Jan-Evangelista-Purkyně Universität erarbeitet. Auf sächsischer Seite fungiert das ISVG (Institut für sächsische Geschichte und Volkskunde) mit Sitz in Dresden als Partner. Die Facharbeit auf dem Ausstellungskonzept kann das Collegium Bohemicum aus dem Programm Cíl3/Ziel3 zur Förderung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Sachsen und der Tschechischen Republik 2007-2013 finanzieren. Die Finanzmittel für die Rekonstruktion des Museumsgebäudes in Höhe von 332 Mio. Kronen brachte als Investor der Magistrat der Stadt Ústí nad Labem auf.

Wir planen die Eröffnung am Anfang des Jahres 2012.