Česky Deutch

Die Sammlung „Deutsches Kulturerbe“ des Collegium Bohemicum ist Grundlage der ersten Dauerausstellung zur Geschichte der deutschsprachigen Bevölkerung der Böhmischen Länder

Unter dem Titel „Deutsches Kulturerbe“ hat das Kulturministerium der Tschechischen Republik die Sammlung des Collegium Bohemicum in sein Zentralregister musealer Sammlungen eingetragen. Für deren öffentliche Präsentation wurde in diesen Tagen eine finanzielle Unterstützung aus dem europäischen Ziel-3-Fonds genehmigt. Die Sammlung wird in Form einer Dauerausstellung im städtischen Museum Ústí nad Labem gezeigt werden. Sie wird die erste Dauerausstellung zu Geschichte und Kultur der deutschsprachigen Bevölkerung der Böhmischen Länder in Tschechien sein.

Die wissenschaftliche Kultur- und Bildungsgesellschaft Collegium Bohemicum wurde Ende 2006 in Ústí nad Labem gegründet, um die erste, der Geschichte und Kultur der deutschsprachigen Bevölkerung der Böhmischen Länder gewidmete Dauerausstellung aufzubauen. An ihrer Erstellung arbeiten ständige interne und externe Mitarbeiter des Collegium Bohemicum. Bislang existieren zu diesem Thema jedoch keinerlei spezialisierte Sammlungsfonds. Das Collegium Bohemicum ist also die erste tschechische Institution, die systematisch eine museale Sammlung zur Geschichte und zum kulturellen Vermächtnis der Deutschböhmen erstellt. Der im Mai 2010 erfolgte Eintrag ins Zentralregister musealer Sammlungen des tschechischen Kulturministeriums und die finanzielle Unterstützung aus dem Ziel-3-Programm für grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Sachsen und der Tschechischen Republik unterstreichen die Qualität und das Potenzial der entstehenden Sammlung.

Das Zentralregister der musealen Sammlungen ist ein vom tschechischen Kulturministerium geführtes, öffentlich zugängliches Verzeichnis der Sammlungen von Museen und Galerien. Es enthält Einträge zu mehr als 65 Mio. Posten des beweglichen kulturellen Erbes der Tschechischen Republik. Die Eintragung in das Register ist für alle Sammlungen in Besitz des Staates, der Landkreise oder der Kommunen verpflichtend und kann sowohl von juristischen als auch von natürlichen Personen beantragt werden. Mit dem freiwilligen Eintrag in das Zentralregister erklärt das Collegium Bohemicum seine Absicht, die Sammlung des deutschen Kulturerbes auf höchstem wissenschaftlichen Niveau zu betreuen, zu erweitern und die professionellen Verpflichtungen einer etablierten Museumsinstitution zu übernehmen. Auf den Internetseiten des Zentralregisters für museale Sammlungen stellt das Collegium Bohemicum einer breiten Öffentlichkeit Grundinformationen über die Sammlung zur Verfügung. Durch die Eintragung in das Zentralregister gewinnt das Collegium Bohemicum zudem die Möglichkeit, Unterstützung von Seiten staatlicher, auf Restaurierung und Ausstellungsarbeit spezialisierter Institutionen zu erhalten und unterstreicht so seine Position unter den etablierten Museumsinstitutionen der Tschechischen Republik.

„Vor der Eintragung in das Zentralregister wurde das Collegium Bohemicum im Herbst 2009 in den Verband der Museen und Galerien der Tschechischen Republik aufgenommen. Im Rahmen des Verbandes ist das Collegium Bohemicum landesweit mit der aktiven Kommunikation und der Pflege von Kontakten zu den deutschsprachigen Nachbarn betraut. Im Herbst 2012 wird es etwa das nächste turnusmäßige Treffen der Vertreter von Museen und Galerien aus Tschechien, Sachsen, Bayern und Oberösterreich ausrichten“, so die Direktorin des Collegium Bohemicum, Blanka Mouralová.

Was enthält die Sammlung?
Die Sammlung des Collegium Bohemicum umfasst heute Objekte ab dem Beginn des 17. Jahrhunderts, die meisten stammen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert und kommen vor allem aus jenen Gegenden der Böhmischen Länder, die in der Vergangenheit von deutschsprachiger Bevölkerung besiedelt waren. Neben den Grenzregionen zu Deutschland und Österreich traf dies auch auf die sogenannten Sprachinseln zu. Bei den erwähnten Objekten handelt es sich sowohl um Bücher (Handschriften und alte Drucke), als auch um Objekte aus Glas, Porzellan und Metall.

Für seine Sammlung erwarb das Collegium Bohemicum z.B. die Erstausgabe des berühmten deutsch-tschechischen Wörterbuches von Josef Jungmann (1836), eine handkolorierte Faksimileausgabe des Ackermanns aus Böhmen von 1919 oder das zweibändige Werk „Das christliche Jahr, oder, Die Episteln und Evangelien“ aus dem Jahr 1733. Dessen Verleger, Graf Sporck, prägte die Region und die tschechische Buchkultur, sein Werk wurde von den Vertretern der tschechischen Wiedergeburtsbewegung gefeierten. Die deutsch-böhmische Literatur ist beispielweise durch eine undatierte Handschrift vertreten, die der durch einen spektakulären Fälschungsskandal bekannt gewordene Václav Hanka auf der Rückseite einer deutschsprachigen Todesanzeige Josef Jungmanns mit Bleistift verfasste. Bei einem anderen Objekt handelt es sich um einen dreiseitigen Brief von Max Brod an seine Prager Redaktion (datiert auf den 18. 5. 1913). Die bildende Kunst vertreten etwa Grafiken von T. Teschner und Lithografien von H. Steiner-Prag, den Bereich Fremdenverkehrswesen sieben Grafiksätze des Burgenforschers Franz Alexander Heber oder eine Karte des Prag-Dresdner Panoramas für Touristen der Eisenbahn und Dampfschifffahrt (Prag, 1858). Auch eine Weihnachtskrippe ist Teil des kulturellen Vermächtnisses der Deutsch-Böhmen.

Die Ankäufe der Objekte erfolgen nach Konsultation des Beirates für den Sammlungsaufbau des Collegium Bohemicum aus Mitteln des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds. Auch wird die Sammlung laufend durch Schenkungen ergänzt. Auf diesem Wege wendet sich das Collegium Bohemicum an Besitzer von Objekten mit deutsch-tschechischer Geschichte. Sollten Sie bereit sein, uns diese zu widmen, zu verkaufen oder als längerfristige Leihgabe zur Verfügung zu stellen, kontaktieren sie uns bitte.

Wo wird die Sammlung zu sehen sein?
Derzeit lagert die Sammlung des Collegium Bohemicum im Depot des städtischen Museums Ústí nad Labem. Der Öffentlichkeit wird sie in Form einer Dauerausstellung zur Geschichte der deutschsprachigen Bevölkerung der Böhmischen Länder, die das Collegium Bohemicum in Zusammenarbeit mit dem städtischen Museum und der Jan Evangelista Purkyně-Universität Ústí nad Labem vorbereitet, zugänglich sein. Sächsischer Partner des Collegium Bohemicum ist das in Dresden ansässige Institut für sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV). Die professionelle Konzeption der Ausstellung und der architektonischen Gestaltung finanziert das Collegium Bohemicum mit Mitteln aus dem Ziel-3-Programm für grenzübergreifende Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Sachsen und der Tschechischen Republik.
Das Projekt wurde am 4.5. 2010 beschlossen und umfasst auch die Erstellung von Begleitpublikationen und die Präsentation des Konzeptes für das Fachpublikum. Ein besonderer Akzent wird in diesem Zusammenhang auf die exemplarische Aufarbeitung des früheren Zusammenlebens in der sächsisch-tschechischen Region gelegt.

Die Dauerausstellung wird in das Gebäude des Museums der Stadt Ústí nad Labem einziehen, das zu diesem Zweck derzeit vollständig renoviert wird.

Václav Houfek, wissenschaftlicher Sekretär des Museums Ústí nad Labem und Vorsitzender der Kommission der Museumshistoriker der Tschechischen Republik (AMG): „Nach Beendigung der Grundsanierung des Gebäudes wird die Sammlung dort einziehen. Dies gewährleistet eine langfristige Museumsarbeit durch das Collegium Bohemicum. Ich bin davon überzeugt, dass das Collegium Bohemium in der Lage ist, allen Pflichten und Standards der musealen Arbeit nachzukommen.“

Mit einer Ausstellungsfläche von 1500 m² wird das breit angelegte Projekt eine der größten musealen Ausstellungen nach dem 2. Weltkrieg sein und dem Besucher die reiche eng verflochtene deutsch-tschechische Geschichte von der mittelalterlichen Kolonisierung bis zur Deutsch-Tschechischen Erklärung (1997) näher bringen wird.

Blanka Mouralová über die Arbeit an der Dauerausstellung: „In den böhmischen Ländern haben die Deutschen wohl in allen Bereichen menschlichen Wirkens ihre Spuren hinterlassen und viele Fachleute haben heute den Eindruck, dass es an der Zeit ist, auch diesen Aspekt der Geschichte ihres jeweiligen Faches aufzuarbeiten. Unsere Dauerausstellung soll das Interesse der breiten Öffentlichkeit fördern und auf sachliche und ausgewogene Weise dazu beitragen, Vorurteile und Fehlinterpretationen zu beseitigen, die in der deutschen, tschechischen und österreichischen Öffentlichkeit bis heute andauern.“

Die Sammlung des Collegium Bohemicum finden sie im Zentralregister der musealen Sammlungen unter http://ces.mkcr.cz/cz/psb.php?idpsb=2619

Für weitere Informationen über die Sammlung des deutschen Kulturerbes wenden Sie sich bitte an den Doukumentator der Sammlung des Collegium Bohemicum, Patrik Eichler (auf Englisch oder Tschechisch). eichler@collegiumbohemicum.cz