Česky Deutch

Ausstellungseröffnung "Freiheit und Liebe"

Die Andersdenkenden kann man die Autorinnen und Autoren der Ausstellung auch nennen. Sie haben als ihre Ausdruckweise die moderne Kunst gewählt. Die dargestellten Lebensschicksale zeigen die Folgen dieser Wahl. Die beiden Diktaturen des 20. Jahrhunderts fühlten sich kompetent und berufen, die Qualität der Kunst zu beurteilen: entartet und verbrannt, verboten und verfolgt, nicht ausgestellt, gelesen, besprochen. Sprechen/šprechtit über eine progressive Kunstströmung ist eine der Möglichkeiten, wie die Sprache ihren humanistischen Kern trifft, zum Instrument der Menschlichkeit wird.

Die Ausstellung „Freiheit und Liebe“ stellt Künstler der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts in Mitteleuropa vor, die sich gegen Unrecht, Diktatur und Intoleranz stellten. Die Werke sind positiv und negativ in ihrer Anmut - sie verkörpern zeitgleich Traum und Alptraum des 20. Jahrhunderts: Auf der einen Seite zeigen sie den Traum, den Kampf des Humanismus um Freiheit und Liebe und auf der anderen Seite den Alptraum, die Gefahren von Terrorismus, Diktatur, Krieg und Gewalt. Der Terror der Nationalsozialisten und später der Kommunisten führte zu Arbeitsverbot und Inhaftierung, trieben die Künstler – vor allem wenn es sich um rassisch Verfolgte und politisch Andersdenkende handelte – in die Flucht oder in den Tod.

Das „Zentrum der verfolgten Künste Solingen“ wurde im Jahr 2008 mit der Ausstellung „Himmel und Hölle zwischen 1918 und 1989“ ins Leben gerufen. Die Ausstellung und das Museum wurden hoch gelobt und von der Presse als eines der wichtigsten Museen Deutschlands gefeiert. Das Museum ist eine in Europa einzigartige Institution. Es verbindet Literatur mit bildender Kunst und bezieht sich auf beide Totalitarismen des vergangenen Jahrhunderts. Die Kunst-Sammlungen des Solinger Museums, die die Exponate stellen, sind: die Bürgerstiftung für verfemte Künste mit der Sammlung Gerhard Schneider, die Literatur- und Bildersammlung der Else Lasker-Schüler Gesellschaft, Sammlung Jürgen Serke. Darüber hinaus werden Leihgaben aus Privatbesitz und dem Otto Pankok Museum in Hünxe gezeigt.

Else Lasker-Schüler (1869-1945) – Dichterin, Zeichnerin, Schauspielerin kann als der alles verbindende Geist der Ausstellung bezeichnet werden. Ständig am experimentieren, ständig verliebt, aus Wuppertal, Königin der Avantgarde in Berlin, 1933 in die Schweiz geflüchtet, im Exil im Jerusalem gestorben. Sie kannte Prag, korrespondierte mit den Prager Autoren.

Auf der Einladung finden sie ihre Zeichnung, hier, zweisprachig, den Anfang eines ihrer bedeutendsten Gedichte. In der Ausstellung und im Atrium der Stadtverwaltung Ústí nad Labem finden sie die weiteren Strophen:

Ich habe zu Hause ein blaues Klavier
Und kenne doch keine Note.
Es steht im Dunkel der Kellertür,
Seitdem die Welt verrohte.

In „Freiheit und Liebe“ wird die Prager deutschsprachige Literatur vom Beginn des letzen Jahrhunderts bis heute, von Rilke bis zu Rudis umfangreich vorgestellt. In begleitenden Veranstaltungen wird die Frage nach der heutigen und künftigen Rolle der deutschen Sprache in dieser Region beleuchtet und durch die junge Generation hinterfragt.

Dauer der Ausstellung: 6. Juni bis 2. September 2012

Kontakt Museum Montanelli:
Jana Kleinová tel: +420 257 531 220 Mobil: +420 724 992 545
E-mail: jana.kleinova@muzeummontanelli.com
Muzeum Montanelli, MuMo, Nerudova 13, 118 01 Praha 1, www.muzeummontanelli.com

Kontakt Collegium Bohemicum:
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