Česky Deutch

Schule im Kino

Zwei oder drei Dinge, die ich von ihm weiß
R.: Malte Ludin, D, 2005, 85 min.
Deutsch mit tschechischen Untertiteln

Malte Ludin wagt ausgehend von den „2 oder 3 Dingen“, die er von seinem Vater, dem NS-Kriegsverbrecher Hanns Ludin, weiß, eine filmische Aufarbeitung darüber, wie die schreckliche Vergangenheit des Vaters die Gegenwart seiner Familie beherrscht.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe Schule im Kino statt
Finanziell unterstützt durch das Goethe-Institut Prag

Malte Ludin wagt als jüngster Sohn der sechs Kinder des im Jahr 1947 hingerichteten NS-Kriegsverbrechers Hanns Ludin eine filmische Aufarbeitung der Schuld des Vaters und wie diese in der eigenen Familie (nicht) erinnert wird. Zeitgenössische Dokumente belegen die historische Wahrheit über die Beteiligung Ludins an den NS-Verbrechen. Hanns Elard Ludin, seit 1931 Mitglied der SA, stieg im Jahr 1941 zum deutschen Gesandten in der Slowakei auf. In seiner Verantwortung lagen u.a. die Deportationen der slowakischen Juden in die Vernichtungslager. Die drei noch lebenden Schwestern des Filmemachers pflegen das heroisierende Bild vom Vater, das ihnen ihre Mutter vermittelt hat. Sie weigern sich, das Vaterbild ihrer Kindheit zu hinterfragen und die Schuld des Nazifunktionärs anzuerkennen. Die Enkel zeigen sich offener, wenn auch in den Gesprächen mit ihnen die Spuren der Verdrängungsmechanismen deutlich werden. Malte Ludin stellt sich aber nicht außerhalb des Wirkungskreises des in der Familie tradierten Bildes des guten Nazis und des Helden. Er geht das Wagnis ein und spricht mit slowakischen jüdischen Überlebenden, den Opfern von Hanns Ludin. Doch am Ende steht er allein vor dem Grab seines Vaters. Spätestens hier begreift der Zuschauer, dass im ehemaligen Land der Täter, 60 Jahre nach Kriegsende, eine solch schmerzhafte Begegnung mit dem Nachwirken der Schuld der Väter nur wenigen gelingt.
FBW –Gutachten „Besonders wertvoll“: „Einer der aufregendsten und intensivsten deutschen Dokumentarfilme auch als Gegenpol gegen die aktuellen Tendenzen der Geschichtsverdrängung und der leichtfertigen medialen Spiele mit Tabuverletzungen.“
Biographie des Regisseurs:
Malte Ludin wurde im Jahr 1942 in Bratislava (Slowakei) geboren. Sein Studium der Politischen Wissenschaften absolvierte er in Tübingen und am Otto Suhr Institut der Freien Universität Berlin (Abschluss 1968). Nach einem Volontariat beim Sender Freies Berlin folgte das Studium an der Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin (DFFB). Sein Diplomfilm: „Kennen Sie Fernsehen?“ eröffnete die XXIV Internationale Mannheimer Filmwoche 1974. Malte Ludin arbeitet freiberuflich als Autor, Filmemacher und Produzent. Überlegungen zu dem Filmprojekt über seinen Vater stellte er bereits in den 70er Jahren an. Doch erst nach dem Tod seiner Mutter wagte er sich an dessen Umsetzung. Wichtig für ihn war auch die Begegnung mit seiner späteren Frau und Produzentin, Iva Švarcová, im Jahr 1989, im Jahr des Mauerfalls: „Sie war eine Art permanenter Stachel. Als Tschechin war es für sie ganz normal, dass ich Deutscher und somit Sohn eines Nazis bin“.

Eintritt: 30 Kč
Experimentální prostor Mumie, Velká hradební 50.

Mehr unter:
www.2oder3dinge.de
www.kinofenster.de